Samstag, 23. Mai 2020
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Samstag, 9. Mai 2020
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//// BLOG

von Pierre-Philippe Scharf

- alle 2 Woche erscheint, im Laufe des Samstags, ein neuer Eintrag

- alle erwähnten Namen wurden aus Gründen der Privatsphäre geändert, außer mein eigener Name

- "Karibik" ist ein Zustand/Zeitraum, in dem ich etwas mache, was mich erfüllt

- es ist nur meine Meinung

- der Eintrag wird 13 Tage online sein, danach wird er gelöscht

- dieser Blog findet nur online statt, jegliches Gerede über WhatsApp oder persönlich wird von mir nicht wahrgenommen. Anregungen und Meinungen bitte an pierrephilippescharf@gmail.com oder per Instagram @pierrephilippescharf

Um ehrlich schreiben zu können, stelle ich mir vor, dass keiner das hier lesen wird.

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Teil 1 von 3

Ich werde in diesem Leben nicht mehr glücklich. Das liegt größtenteils an mir selbst.

Seit Corona dieses Land befallen hat, geht es mir eigentlich nicht wirklich gut. Fiese Gedanken und Ängste plagen meinen Kopf. Kreativ sein, fällt mir schwer, weil ich keinen Input bekomme. Unternehmungen und Beobachtungen fehlen mir. Auch vor Corona hatte ich solche Gedanken, aber jetzt habe ich absolut keine Chance mehr davor wegzulaufen.

Ich frage mich oft, ob mein Mindset nicht stimmt, warum manche Leute lächeln, obwohl sie, in meinen Augen, ein kleines unbedeutendes Leben führen. Ich versuche hier mal zu erklären, wie meine Gedankengänge sind und warum ich tue was ich tue.

Ich stelle es mir komisch vor, wenn Leute das hier lesen und mich gar nicht kennen. Also Null kennen. Noch nie gesehen. Noch nie mit mir geredet haben. Sie lesen das nur, weil sie zufällig, wie auch immer, auf diesen Blog gestoßen sind. Deshalb versuche ich, mich vorzustellen, was ich eigentlich nie mache, wenn ich neue Leute kennenlerne.

Ich beginne von vorne.

Ich bin Pierre-Philippe Scharf, aber man kann einfach Pierre sagen, bin am Sonntag, den 13.09.1998 in Hamburg geboren. An dem Tag war der Song "I don't Want to Miss a Thing" von Aerosmith auf Platz 11 der deutschen Charts und die Gewinner des 55. Interantionalen Filmfests von Venedig wurden gekürt. Ich war eine Hausgeburt und wurde höchstwahrscheinlich da geboren wo ich gezeugt wurde. Weird. Benannt wurde ich nach dem Schauspieler Pierre Brice, der bekannt für seine Rolle als Winnetou war. Nach meiner Geburt, kam auch irgendwann mal der Rettungsdienst und ich kam total unterkühlt ins Krankenhaus. Ein paar Monate später zogen ich und meine Familie in einen Vorort von Hamburg. Obwohl ich seit fast 21 Jahren nicht mehr in Hamburg lebe, würde ich immer sagen, dass Hamburg meine Heimat ist, aber nicht mein Zuhause. Aus der Kindergarten- und Grundschulzeit gibt es eigentlich nicht sehr viel zu erzählen. Ich war ein sehr glückliches Kind. Wenn ich Fotos von damals anschaue, wünschte ich, ich wäre so geblieben. Ich war immer nett, ruhig und zurückhaltend und hatte immer gute Freunde. Meine Interessen waren hauptsächlich Yu-Gi-Oh! und Star Wars, was heute auch noch der Fall ist und ich begann Fußball zu spielen, wie so ziemlich jeder deutsche Junge.

Im Verein hatten wir 2 Mannschaften. Eine gute und eine, nennen wir sie mal, "nicht so gute" Mannschaft. Ich war damals Torwart, denn ich war groß. Das war wohl wirklich der einzige Grund. Ich kann mich nicht mehr an so viel erinnern, aber die eine 0:10 Niederlage gegen den Stadtrivalen tut immer noch weh. Einmal kam ich etwas verspätet auf das Feld und alle haben auf mich gewartet, weil ich meinem Trainer helfen musste etwas zu tragen und jemand aus dem Publikum hat lautstark gefragt, ob ich zu lange auf dem Pott war. Ansonsten habe ich immer mal wieder 11 Meter gehalten.

Irgendwann sind immer mehr Mitspieler gewechselt oder haben aufgehört und wir hatten nur noch eine Mannschaft. Ab jetzt spielte ich fast immer Rechtsverteidiger. Das war gut, weil ich durch das ganze Verlieren keine Lust mehr hatte als Torwart zu spielen. Mit nur einer Mannschaft lief es aber auch nicht besser. Ich weiß noch als ich bei dem Verein anfing, gab es auch nur eine Mannschaft und sie haben in ihrer Gruppe die Meisterschaft gewonnen. Ich hatte beim Fußball natürlich auch Freunde gefunden, viele waren auch in meiner Grundschulklasse. Mit einem bin ich heute noch befreundet oder besser gesagt wieder befreundet, weil wir kurz mal keinen Kontakt hatten, ein anderer wurde zu einem Meme in meinem Freundeskreis und einer hatte im Nachhinein sehr viel Einfluss auf mein Leben.

Ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, der so tickt, aber ich schaue auf meine Vergangenheit zurück und erkenne Entscheidungen von mir oder auch von anderen Leuten, die mein Leben in eine Richtung gelenkt haben.

In der 4. Klasse bekommt man eine Empfehlung von den Lehrern auf welche Schule man am besten gehen sollte. Ich bekam eine Gymnasialempfehlung. Das war okay. Ich hatte nicht viele Einsen, fast nur Zweien. Aber die Hälfte der Klasse bekam eine Empfehlung für das Gymnasium. Für mich war klar, dass ich auf das gleiche Gymnasium gehen werde, wie meine Schwester und schaute mir keine andere Schule an.

Ein Kollege vom Fußball, nennen wir ihn Domenico, hatte mich einmal nach dem Fußballtraining gefragt, ob er mich als Drittwunsch angeben kann, denn man konnte bei der Anmeldung für's Gymnasium 3 Schüler aufschreiben mit denen man in eine Klasse gehen möchte. Das heißt aber nicht, dass das dann auch so eintrifft. Er hatte mich also als drittes aufgeschrieben nach 2 seiner Mitschüler, irgendein Jackomo und ein Wang.

Irgendwann kam dann der Tag, an dem man erfuhr in welche Klasse man kommt. Ich weiß gar nicht mehr genau wen ich auf dem Zettel draufgeschrieben hatte. Ich glaube, ich hatte Domenico gar nicht drauf geschrieben, weil ich 3 Freunde aus der Grundschule lieber mochte. Zu denen habe ich heute keinen Kontakt mehr.

Die Stimmung beider Verkündung war wie bei den Oscars. Alle waren in der Schulaula mit ihren Eltern und wenn man gehört hat, dass ein Freund von einem aufgerufen wurde, hoffte man seinen Namen zu hören. Damals habe ich gar nicht gecheckt, dass die Namen alphabetisch vorgelesen wurden. Mein damals bester Freund stand weit oben im Alphabet und ich hoffte so sehr wie noch nie meinen Namen zu hören. Und dann hörte ich ihn. Ich freute mich, meine Freunde freuten sich, die Hälfte der Klasse freute sich, denn ja, alle, die in meiner Grundschulklasse waren und auch auf dieses Gymnasium gehen wollten, waren jetzt wieder in meiner Klasse.

Domenico, mein Kollege vom Fußball, war auch in meiner Klasse und ich würde sagen, Domenicos Entscheidung mich auf seine Liste zu schreiben, hat mein Leben mitbestimmt.

In der 5. und 6. Klasse war ich noch mit meinen Freunden aus der Grundschule befreundet. Mit den anderen Jungs hatte ich nicht so viel zu tun, doch dann hatte mich, gegen Ende der 6. Klasse, ein Freund von Domenico, Wang, zu seinem Geburtstag eingeladen. Ich hatte vorher noch nie so richtig mit ihm geredet, aber trotzdem hatte er mich eingeladen. Nach dem Geburtstag waren Domenico, Wang und Jackomo meine Freunde. Meine Freunde, die ich zuvor hatte, wurden zu Nerds.

Ende der 6. Klasse hörte ich mit Fußball auf. Es hat einfach kein Spaß mehr gemacht. Ich war viel seltener beim Training, weil die Hausaufgaben immer mehr wurden und es hat einfach kein Spaß gemacht, weil wir zu oft verloren haben. Die schönste Erinnerung war wohl mein einziges Pflichtspieltor. Ich war ja Rechtsverteidiger und hatte mit Tore schießen nicht viel zu tun. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich jetzt ohne Training besser spielen kann als damals mit. Ich habe dann erstmal kein richtiges Hobby gehabt. Aber das Zocken ging dann richtig los.

Die Playstation war schon immer präsent in meinem Leben. Als Kind schaute ich meinem Dad beim PS1 spielen zu, dann PS2 gegen ihn. Immer PES, Tekken oder Battle of Arms. Dann bekam ich selbst eine PS3 und ich glaube insgesamt, dass das ein Fehler war. Black Ops und FIFA statt Schule und lernen, aber die Leistungen waren noch okay.

Mit 13 waren wir in den Sommerferien am Gardasee in Italien. Ich schaute einen Mission Impossible Film mit Tom Cruise. Danach bin ich durch die Straßen gelaufen wie ein Kind und habe mich gefühlt wie Tom Cruise im Film. "Bam. Bam. Ich bin Tom Cruise. Bam. Bam." Mein Dad schaute mich an und sagte: "Werde doch Schauspieler." Er meinte es absolut nicht ernst, aber ich dachte darüber nach und kam zu dem Entschluss, wenn Tom Cruise das kann, kann ich das auch. Meine Mam fand schnell einen Schauspielkurs in Hamburg für Kinder und Jugendliche. Mein Dad meinte, dass ich das eh nicht durchziehe, wie sonst auch alles. Naja.

Seitdem ging ich immer regelmäßig zum Schauspielunterricht und ich merkte wie sehr es mir hilft. Ich wurde selbstbewusster und fand nicht nur ein neues Hobby, sondern eine Leidenschaft.

Filme fand ich schon immer gut. Das liegt wohl auch an meinem Dad. Er ist größer John Wayne und Clint Eastwood Fan und er hatte grundsätzlich eine Faszination für Filme. Mit 5 Jahren habe ich das erste Mal Star Wars gesehen und das hat mein Leben stark beeinflusst.

Meine bisherigen Berufswünsche waren eigentlich ganz normal für einen Jungen. Polizist, Cowboy, Pirat,auch mal Mathelehrer lol (da war ich in der 3. Klasse, bevor die die Zahlen sich in Mathe eingemischt haben), Astronaut, mit 12 Jahren Architekt, weil ich damals relativ gut zeichnen konnte. Dann ab 14 war es Schauspieler.

Die Schule lief weiter und ging eigentlich immer weiter bergab. Meine Mam hatte wieder richtig angefangen zu arbeiten und ich glaube damit hing auch einiges zusammen, weil ich niemanden mehr hatte, der mir sagt, dass ich lernen soll und Hausaufgaben machen soll. Aber meine Gedanken hatten sich auch verändert. Ich wusste, dass ich nach dem Abschluss was mit Schauspiel und Film machen möchte und alles was ich in der Schule lernte, brachte mir nichts und kam mir sinnlos vor.

Am Ende der 9. Klasse mussten wir ein Profil wählen. Ich hatte keinen Favoriten. Musik lag mir nicht, bei Erdkunde und Geschichte hatte ich auf die Leute keine Lust, Sprachen muss ich noch mehr lernen und Naturwissenschaften haben mich noch nie richtig interessiert. Also hatte ich auf alles keine Lust. Schließlich wählte ich das gleiche Profil wie meine Freunde. Naturwissenschaften. Physik, Chemie, Biologie und Mathe. Bio war noch nie mein Fach. Die anderen Fächer gingen sogar irgendwie. Ich hatte in den Jahren zuvor mal eine 1 in Chemie, mal eine 2, in Physik auch immer zwischen 2 und 3 und in Mathe auch. In der 10. Klasse war ich dann aber komplett lost, habe nichts mehr verstanden, aber das große Ding war halt auch, ich wollte nicht mehr. Es kam mir vor wie Zeitverschwendung. Noch 3 Jahre bis zum Abi und ich wusste, dass ich das Abi nicht unbedingt für die Ausbildung brauchte.

Irgendwann kam dann der Klassenlehrer auf mich zu und meinte, ob ich nicht doch noch das Profil wechseln möchte oder das Jahr nochmal wiederholen möchte. Da wurde mir klar, dass es ernst ist. Ich hatte auch einfach kaum gelernt. Ich glaube in Physik, das Hauptfach, stand ich zwischen 4 und 5, also in der Oberstufe hatte man dann ja Notenpunkte, also stand ich zwischen 4 und 3 Punkten. In Bio stand ich bei der Note 4 und der Rest war eher so bei 3.

Ich hab dann mit meinen Eltern geredet. Meine Mam meinte sofort, dass es okay ist, weil sie weiß, dass ich nur Dinge mit Freude mache, die ich wirklich mag. Mein Dad fand es nicht so gut. Er wollte lieber, dass ich etwas sicheres mache mit einem normalen monatlichen Einkommen. In meinen Augen Versklavung.

Als ich es meinem Klassenlehrer sagte, dass ich dann aufhöre, hatte er es erst nicht geglaubt. Ich hatte ihm nicht sofort gesagt, dass ich Schauspieler werden will, das wurde aber nach und nach bekannt, ich wusste, dass er es nicht verstehen würde.

So ziemlich jeder schafft heutzutage das Abi, ob auf dem zweiten Bildungsweg oder dem ersten. Mit Abi hat man auf jeden Fall mehr Möglichkeiten, aber ich war mir sicher, dass ich es nie brauchen würde.

Ich nahm dann an einem Orientierungsworkshop an einer Schauspielschule teil, um einen Einblick zu bekommen, wie es da so abläuft. Es gefiel mir sofort und wurde auch aufgenommen ohne eine Aufnahmeprüfung machen zu müssen, die man normalerweise machen muss.

Meine Mittlere Reife oder Realschulabschluss, what ever, bekam ich auch einfach so ohne Prüfung. Alle Noten auf dem Gymnasialzeugnis wurden eine ganze Note nach oben gerechnet und wenn ich ganz ehrlich bin, ich habe mir dieses Zeugnis nur ein einziges Mal angeguckt, an dem letzten Schultag als ich bekommen habe und danach nie wieder. Ich wusste, dass ich es nie wieder brauchen werde. Bei der Anmeldung zur Schauspielschule meinten sie, ich soll es ihnen per Mail schicken, aber ich hatte den Vertrag schon vorher unterschrieben und habe das Zeugnis bis heute nicht dahin geschickt.

Also ging ich ohne Abschlussfeier oder ähnliches aus der Schule raus. Ich bin deswegen nicht traurig oder so, aber ich merke trotzdem, dass sich meine Freunde wegen ihres Abiballs sehr verbunden fühlen. Ich hätte es komisch gefunden, wenn ich damals dahin gegangen wäre und etwas gefeiert hätte, was ich selbst nicht habe. Ich habe mich da einfach nicht zugehörig gefühlt. Am Abend des Abiballs bin ich sogar an der Location vorbei gefahren, weil ich zu einer Freundin gefahren bin, die ich dann auf der Schauspielschule kennengelernt habe. Insgesamt fühlte sich dieser Abschluss an wie eine unehrenhafte Entlassung aus dem Militär, so wie man es aus Filmen kennt, still und heimlich.

Jetzt mit etwas Abstand würde ich sagen, dass die Schulzeit auf jeden Fall witzig war. Der Englischlehrer, der nichts gecheckt hat, Kakao-Hemd-Gate, Theater, die Basketball AG, Leibniz Privatschule usw. Ich wollte die Sachen einfach nicht lernen, weil ich wusste, dass ich sie nie wieder brauchen würde. Außerdem hieß es immer, dass ich das lernen muss. Ich habe immer lieber die Wahl und wenn mich Sachen nicht interessieren, schalte ich auf Durchzug. Es geht auch immer noch auf den Sack, wenn Leute mir sagen, was ich tun soll, wenn ich dahinter keinen Sinn finde.

2015

Meine Ausbildung begann. Ich ging auf eine private Schauspielschule. Für eine staatliche hätte ich Abitur gebraucht, aber die nehmen auch nur sehr wenig auf und ich wäre zu jung gewesen, auch wenn sie einen besseren Ruf haben als die privaten.

Die meisten Leute, nein wohl eher alle Leute aus meinem Umfeld waren überrascht, dass ich Schauspieler werden wollte, denn ich war immer sehr ruhig und zurückhaltend, schüchtern, aber das veränderte sich schon durch den Schauspielunterricht einmal die Woche.

Die 3 Jahre lassen sich eigentlich schnell zusammenfassen. Erst war ich völlig überrascht, was man alles für Fächer hat wie Phonetik und Konzentration. Im ersten Jahr hat man viele Basics gelernt und vor allem viel über sich selbst. Erst ab dem 3. Semester hatte alles mit Schauspielen zu tun. Durch die Ausbildung veränderte ich mich komplett. Ich bekam viel mehr Selbstvertrauen, aber trotz allen Veränderungen in meiner Denkweise und Ansichten der Welt, hatte ich immer noch diesen Freiheitsgedanken. Immer machen zu können und zu wollen was ich machen möchte.

Am Anfang verlor ich den Draht zu meinen Freunden aus der Schule, die sich natürlich weiterhin jeden Tag in der Schule sahen, aber nach einem halben Jahr mit recht wenig Kontakt, war alles wieder normal. Mittlerweile waren wir alle 17, man ging auf Partys und wir fingen an uns jedes Wochenende zu treffen. Mit den Leuten aus meinem Semester hatte ich privat wenig zu tun. Ich war damals auch nicht wirklich offen dafür und mit den meisten wollte ich auch nichts machen. Ich wohnte auch nicht in Hamburg und brauchte immer eine Stunde in die Stadt.

Während der Ausbildung habe ich mich nur darauf konzentriert. Ich habe selten an die Zeit danach gedacht. Ich dachte nur erstmal daran den Abschluss zu machen. Kontakt mit Leuten aus anderen Semestern hatte ich wenig. Ich glaube wirklich, dass das noch daran lag dass ich so jung war. Ich hab damals nicht verstanden, dass es auch Spaß machen kann neue Leute kennenzulernen. Erst gegen Ende der Ausbildung hatten wir auch Unterricht der semesterübergreifend war und ich öffnete mich, zum Glück. Obwohl die Altersrange auf der Schule zwischen 16 und 35 war, hat man sich grundsätzlich mit allen verstanden. Alle tickten gleich und hatten das gleiche Ziel.

Das letzte Jahr der Ausbildung war etwas nervig, weil man eigentlich nichts neues gelernt hat, sondern nur noch Dinge vertieft hat. Ich wollte endlich auf den Markt und Geld damit verdienen. Im letzten Semester bekam ich den Schulleiter im Hauptfach. Wie verstanden uns super und mir war klar, dass ich easy durch die Prüfung komme.

Eine Schauspielausbildung kann ich eigentlich jedem empfehlen, auch wenn man gar kein Schauspieler werden will. Man lernt viel darüber wie man sich präsentiert, wie man auf andere wirkt und was man bei anderen auslösen kann, man lernt viel über die Sprache, seinen Körper, Psychologie und über sich selbst.


Preview für Teil 2+3:

Ich wollte über einzelne Themen schreiben. Als ich anfing, fiel mir auf, dass alles miteinander zusammenhängt und ich mich oft wiederhole, weil vieles auf den gleichen Gedanken basiert.
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Ich sehe das Leben als Geschichte. Ich mag die Metapher, weil eine Geschichte voll mit Leben ist und immer unterschiedlich.
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Dieses Gedicht sagt so viel über das Leben aus.
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Ich hatte die Idee einen Podcast zu machen und denke immer noch darüber nach, ob ich es wirklich machen soll oder nicht.
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Letztendlich versuchen doch alle nur klar zu kommen.


Teil 2 kommt früher als man denkt.

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Auf Tinder kein Bock, für ElitePartner zu dumm - Corona Short Story
Auf Tinder kein Bock, für ElitePartner zu dumm

Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship. Ein Single. Das heißt, ich zum Beispiel verliebe mich in eine Frau, die auch auf Parship ist. Okay und dann? Ob sie sich auch in mich verliebt, wird da ja gar nicht erwähnt. Wenn ich die Frau anschreiben würde und sie mir z.B. nicht mal antwortet, dann ja, habe ich mich verliebt, wie der Slogan es sagt, aber bin auch total verletzt. Heißt das Parship ist nicht gut?

Ich glaube, eigentlich wissen wir alle, dass Online-Partnerbörsen nicht das Wahre sind. Außerdem sind auf vielen Seiten auch kaum echte Frauen unterwegs. Am allerliebsten lerne ich Frauen im echten Leben kennen. Meistens auf Partys. Denn Bilder, die man online sieht, können lügen oder besser gesagt, sie lügen. Meine Bilder lügen auch. Auf einem Bild kann man auch nicht erkennen, wie die Ausstrahlung der Person ist oder was ich auch sehr wichtig finde, wie die Stimme klingt.

Ich bin Single und möchte es nicht mehr sein. Auf Tinder kein Bock, für ElitePartner zu dumm. In Zeiten von Corona finden keine Partys statt. Wo soll ich jemanden kennenlernen? Ich dachte an das letzte Jahr. Wer mir so begegnet ist und wen ich gut fand, da viel mir nur ein Mädchen ein.

Sie war sehr klein, blond und hatte ein Lächeln, das weißer nicht sein konnte. Wir redeten etwas und sie gefiel mir. Leider war ich auf dieser Party viel zu betrunken, um mir irgendetwas gemerkt zu haben, außerdem habe ich mich auch echt nicht gut verhalten. Danke Alkohol. Ich wusste also nicht mehr wie sie heißt. Dann begann die Recherche. Jeder von uns kann ein Detektiv sein, manche sagen übertriebener Weise auch Stalker. Ich schaute auf den Instagram Profilen von Leuten, die auch auf der Party waren und da schaut man dann, wen die so folgen und so weiter. Nach nicht mal 10 Minuten hatte ich ihr Profil gefunden.

Keine Anzeichen dafür, dass sie einen Freund hat. Keine Fotos, keine "Ich liebe dich" Captions. Da begannen dann die Zweifel. Wenn ich sie anschreibe, dann sieht sie ja zur erst mein Profilbild mit Namen. Mein Name ist mein normaler Name, okay, aber mein Profilbild ist Homer Simpson mit einem Donut in der Hand. Fuck, ein neues Profilbild kann ich nicht machen, weil ich Ewigkeiten nicht beim Friseur war und gute Bilder habe ich nicht. Egal das wird schon. Das zweite, was sie machen wird, ist, dass sie auf mein Profil gehen wird. Da steht mein Name. Mehr nicht. Das ist okay. Ich habe 111 Follower und mein Konto ist privat. Sie müsste folgen, um meine Bilder zu sehen. Sie hat knapp 400 Follower, denkt sie, dass sie sich mit einem Typen, der nur 111 Follower hat, abgeben kann? Sind manche so oberflächlich? Ich überdachte nochmal alles. Ich fühle mich ungenügend und dachte auch daran was passieren würde, wenn sie mich gut findet. Was ist, wenn sie dann bemerkt, dass ich total langweilig bin. Am Ende der Zweifel kommt das, was ich immer mache. Ich überstürze es. Also habe ich ihr geschrieben.

"Hey, kennen wir uns nicht irgendwoher?" Ich gebe zu, es gibt bestimmt bessere erste Sätze, aber letztendlich führte es dazu, dass sie mir antwortete. Ich war froh, dass sie es tat, weil es bei Instagram sein kann, je nach Einstellung, dass Nachrichten von Leuten, denen man nicht folgt, nur ganz klein in den Nachrichten als Anfrage angezeigt werden.

Sie schrieb, dass sie glaubt, mich von einer Party zu kennen, auf der ich mega betrunken war. Von Anfang an hatten wir einen guten Draht zueinander. Erstmal schrieben wir etwas oberflächlicher. Was sie so macht, Corona und so. Dann wurde es immer privater und wir schrieben mehr und mehr.
Sie und ihre Mutter hatten ihre Großmutter, kurz bevor die Krise richtig los ging, zu sich geholt, deshalb versucht sie auch so wenig wie möglich rauszugehen. Über das Schreiben bekommt man ja eigentlich schon einen gewissen Eindruck von jemanden, aber ich wollte trotzdem, dass wir uns mal treffen. Ich wusste schon vorher, dass sie irgendwo in meiner Nähe wohnt, aber sie sagte immer, dass sie die Gesundheit ihrer Oma nicht gefährden möchte.
2 Wochen später.
Wir schrieben immer noch. Eigentlich hatte sich nichts geändert, auch nicht in der Corona-Krise. Ich war seit Langem nicht mehr draußen gewesen, nur zum Einkaufen. Ein paar Freunde von mir trafen sich schon wieder zu zweit mit Sicherheitsabstand, aber diesen Vorschlag lehnte sie auch wieder mal ab. So langsam kamen wir nicht weiter. Der nächste Schritt war es, sich zu treffen. Wir haben schon über alles geschrieben, sogar über ein erstes Date. Ich würde auch soweit gehen und sagen, dass ich in sie verliebt bin und sie in mich.

Nochmal 2 Wochen später.

Die Bundesregierung hat das öffentliche Leben fast vollständig wieder hochgefahren. Das Ansteckungsrisiko ist so gering wie noch nie. Heute Abend wollte ich sie nochmal fragen, ob sie mit mir ausgehen will.

Vorher musste ich nochmal Einkaufen. Als ich im Supermarkt bei dem Obst stand, fiel mir eine junge Frau auf. "Sie ist genauso groß, gleiche Haarfarbe und Länge und auch ein ähnlicher Arsch.", dachte ich. Ich tippte ihr auf die Schulter und sie drehte sich um. Sie war es. Sie erschrak und wusste nicht was sie sagen soll. Sie war sehr nervös und unsicher. So habe ich sie beim Schreiben gar nicht kennengelernt. Ich sagte: "Hi, ich bin's." Sie sagte nur: "Ja, ich weiß. Sorry ich bin nicht geschminkt und-" Dann kam ein Typ zu ihr und lag seinen Arm um sie. "Wer ist denn das?", sagte er. Er war groß, viel größer als ich und er war stark. "Nur ein Freund. Hol doch schon mal die Getränke." Sie stach mit ihren Worten tief in mein Herz. Nur ein Freund? Wir haben fast 5 Wochen jeden Tag geschrieben. Sie schaut mich nur an, schüttelte mit dem Kopf und sagte: "Sorry, das mit uns war nur so ein Corona-Flirt."

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Eine ganz neue Situation - Corona Short Story
Eine ganz neue Situation

Vor 6 Wochen hätte ich mir nicht vorstellen können, dass sich die Welt so sehr verändern kann.

Ich hatte vor 6 Wochen einen Motorradunfall und wurde ins künstliche Koma versetzt. Ich bin nur mitgefahren und mein Freund war am Lenker. Vor 3 Tagen haben mich die Ärzte zurückgeholt und alles war anders.

Das erste was ich sah, war die Ärztin, sie trug einen Mundschutz, daneben stand die Krankenschwester und mein Freund Paul, der auch bei dem Unfall dabei war, er hat aber keine schweren Verletzungen erlitten. Die beiden trugen auch einen Mundschutz. Ich dachte, ich hätte irgendwas Ansteckendes. Obwohl ich gesundheitlich stabil war, konnte ich erstmal nichts sagen und auch nicht klar denken. Ich habe es geradeso hinbekommen die Fragen der Ärztin zu beantworten. Schließlich gingen die Krankenschwester und die Ärztin aus dem Zimmer und Paul erzählte mir vom Unfall, dass es seine Schuld war und dass es ihm unendlich Leid tut. Obwohl ich nicht mal wusste, ob ich irgendwelche Langzeitschäden vom Koma oder vom Unfall haben werde, fragte ich ihn als erstes, warum er einen Mundschutz trägt. Paul sagte ganz selbstverständlich, dass das jetzt in Krankenhäusern Pflicht ist, damit die Ansteckungsgefahr nicht so groß ist. Welche Ansteckungsgefahr? Mit was anstecken? Ihm viel ein, dass ich das alles nicht mitbekommen habe.

Paul erklärte mir alles. Erst China, dann Italien, Deutschland, die ganze Welt. Erst glaubte ich ihm kein Wort. Ich dachte, dass das ein geschmackloser Prank ist oder versteckte Kamera. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen, dass so etwas innerhalb kürzester Zeit möglich ist. Natürlich hatte ich das mit China vor meinem Unfall noch mitbekommen, aber dass sich das Virus über die ganze Welt verbreitet und in ganz Deutschland ein Kontaktverbot, teilweise sogar eine Ausgangssperre herrscht, das hätte ich mir nie vorstellen können. Deshalb glaubte ich ihm kein Wort, bis er den Fernseher einschaltete.

Ich war überfordert. Es war eine ganz neue Situation. Der Unfall zeigte mir ja schon, dass das Leben doch kürzer ist, als man denkt und es sehr schnell vorbei sein kann, aber dass sich in kürzester Zeit auch das gesamte soziale Leben verändern kann, war mir bis dahin noch nicht bewusst und je mehr ich mich mit dieser Pandemie beschäftige, komme ich mir immer mehr vor wie in einem Weltuntergangsfilm.

Ich habe mich dann selbst gefragt, wie ich jemanden, der aus dem Koma aufwacht, diese noch nie da gewesene Situation erklären würde und ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht.

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Date X - Corona Short Story
Date X

2024. Seit fast einem Jahr herrscht wieder der Normalzustand. Die Straßen sind wieder voller Menschen, die Wirtschaft geht Berg auf und alle Leute können wieder arbeiten. Historiker reden schon vom denkwürdigsten Ereignis des 21. Jahrhunderts. Psychologen meinen, dass das Verhalten der Menschen nie wieder so sein wird wie früher.


Jessi (23) und Mark (22) hatten ein Date. "Ist das dein erstes Date... seit..." Mark sprach das Wort ungerne aus, aber Jessi übernahm das ohne Scheu für ihn: "Corona? Nein ich hatte schon zwei, glaub ich." Mark war deutlich angespannt. "Was hast du während deiner Quarantäne gemacht?", wollte er wissen. Jessi stellte erstmal klar, dass sie das Wort Quarantäne nicht mag und dass fast alle es falsch benutzen. "Nur Infizierte sind in Quarantäne." Sie erzählte, dass sie gerade eine Ausbildung zur Friseurin angefangen hatte und der Laden dann nur noch 5 Monate existierte. "Dann als man wieder öffnen konnte, habe ich die Ausbildung woanders abgeschlossen. Und du?" Mark mochte es, dass sie so positiv über die Zeit redete und immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. "Als alles anfing, war ich in Thailand, ich hatte mein Abi gemacht und wollte erstmal reisen. Ja dann wurden wir wieder nach Hause gebracht." Die Kellnerin brachte den Cafe an den Tisch und die beiden zogen ihren Mundschutz runter. "Und was hast du an Tag X gemacht?", wollte Jessi wissen. "Du meinst am 9.7.?" Sie nickte. "Ich hatte mir vorher nie Gedanken darum gemacht, was ich machen würde, wenn alles wieder möglich ist. Ich war auch noch nicht wieder auf größeren Veranstaltungen. Die Party letztens bei Paddy war das erste Mal, dass ich wieder ein paar mehr Menschen sah und selbst da wollte ich erst nicht hin." Jessi legte ihre Hand auf seine und sagte: "Zum Glück warst du da, sonst hätten wir uns nicht kennengelernt." Sie merkte, dass ihm das Anfassen nicht gefiel und zog ihre Hand langsam wieder weg. Er holte aus seiner Tasche das Desinfektionsmittel und cremte seine Hände damit ein. Mark wollte über ein anderes Thema reden, er fand aber keins. Corona hatte auf alles Einfluss.

Als beide mit Cafetrinken fertig waren, gingen sie noch ein bisschen spazieren. Beide hielten sich noch an den, aus Corona-Zeiten, antrainierten 1,50m Abstand. "Hast du noch Lust ins Kino zugehen?", fragte Jessi, aber Mark verneinte. "Zu viele Menschen."

Zum Abschied sagten sich beide "Auf Wiedersehen", ohne Umarmung und ohne Händeschütteln, aber beide wussten, dass sie sich nicht wiedersehen werden.

Psychologen sagen, dass die Corona-Krise und die soziale Isolation zu lange gingen ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Sie sagen, dass das Verhalten der Menschen nie wieder so sein wird wie früher.

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Samstag, 11. April 2020
Was bringt dir deine Rolex jetzt? - Corona Short Stories
Was bringt dir deine Rolex jetzt?


Kennt ihr das, wenn ein Gedanke den anderen jagt und du gar nicht weißt, was du gerade denkst und keinen Gedanken richtig fassen kannst, weil es einfach zu schnell geht? So geht's mir immer, wenn ich auf Koks bin.

Ich bin Malte, 24 Jahre alt und bin reich. Ich bin aber nicht reich, weil meine Eltern reich sind. Sie sind zwar wohlhabend, aber ich bin reich, weil ich einfach Glück mit Aktien hatte.

Ich studiere. Aber ich studiere nur, damit ich sagen kann, dass ich studiert habe. Am liebsten gehe ich in Clubs und schmeiß' mein Geld aus dem Fenster. Koks nehme ich auch nur, wenn ich feiern bin. Dann fällt es mir einfacher die Girls anzugraben. Dann kam Corona und alles war dicht. Ich wusste nicht mehr, wo ich was zum ficken herbekommen sollte. Das Koks und die Ablenkungen fehlten mir auch mehr als ich gedacht hätte. Ich hatte Zeit zum nachdenken, habe viel über mich gelernt und dass nur wegen der folgende Geschichte, die mir passiert ist:

Berlin Mitte, ja genau, da wo die Mieten so exorbitant hoch sind, wachte ich in meiner Penthousewohnung auf. Noch total verschlafen, ging ich ins Bad, putzte Zähne und zählte wie jeden Morgen meine Bauchmuskeln vor dem Spiegel. "1,2,3,4,5,6. Alle da.", dachte ich. Wenn jemals der Tag kommt, an dem es weniger sind, weiß ich, dass ich fett werde und mein Leben grundlegend ändern muss.

Seit ein paar Tagen hatte die Bundesregierung empfohlen im Haus zu bleiben und sich nicht mit Leuten zu treffen. Die Clubs und Restaurants, ja sogar die Shisha Bars waren zu. Danke Merkel. Ich wusste nichts mit mir anzufangen. Daddelte dann ein bisschen Playsi, machte ein bisschen Sport, aber ohne Geräte war das auch nicht das Wahre. Ich hatte zu viel Zeit und damit kam ich nicht klar. Meine Freunde, die ich anrief, nahmen dieses Corona-Thema ganz schön ernst und wollten nicht rumkommen. Ich schaute in meinen Kontakten nach Girls. Um ehrlich zu sein, waren es echt wenig. Mit den Meisten tausche keine Nummern aus, ich sehe sie eh nur eine Nacht lang.

Dann sah ich die Nummer von Sophie. Mit Sophie war das so ne Sache. Wir haben uns kurz gedatet, aber ich hab gemerkt, ja es klingt komisch, aber ich habe gemerkt, dass sie einfach zu schlau für mich ist. Sie hat auch Werte vertreten, die ich nicht verstanden habe und wollte immer nur tiefgründige Gespräche führen. Aber sie war schon echt heiß. Ich schrieb ihr, ob sie nicht Lust hat vorbeizukommen. Ich war überrascht, als sie dann 2 Stunden später vor meiner Tür stand.

Meine Vorbereitung für Dates ist die gleiche, wie wenn ich in Clubs gehe. Duschen, Haare machen, 10 Minuten Sport für den männlichen Geruch und dann dezent einen Spritzer Parfüm. Die Bude räume ich natürlich auch noch auf. Das Outfit sitzt eh immer und das Ziel des Abends bleibt auch immer gleich: Sie ins Bett zu bekommen.

Nachdem sie reinkam, redeten wir kurz über die aktuelle Lage und dass sie glaubt, dass es noch viel schlimmer wird. Ich machte richtig auf Gentleman und stellte Fragen und den Quatsch. Sie sah echt hübsch aus. Leicht geschminkt, aber führe ihre Verhältnisse schon viel. Nach einer Stunde ungefähr, zeigte ich ihr dann meine neueste Errungenschaft. Meine neue Uhr, die schön aufbereitet in einer Box lag. Sie schaute sie an und dann mich. "Bist du traurig?", fragte sie mich. Ich verstand die Frage nicht. "Du bist einsam oder?" Sophie schaute mir in die Augen. Mir wurde klar, dass sie diese komischen Fragen ernst meinte. "Was fehlt dir in deinem Leben, dass du es mit so etwas auffüllen musst?" Ich sagte nichts. Sie fasste meine Hand an. "In dieser komischen Zeit geht um Menschlichkeit und um Werte. Du hattest doch bestimmt auch etwas mehr Zeit zum Nachdenken. Zeigt dir diese Situation gerade nicht, dass es egal ist wie viel Geld du hast oder in welchem Luxus du lebst? Zeigt sie dir nicht was wichtig ist im Leben?" Ich hörte ihr zu, aber verstand sie nicht. "In dieser Lage, in der wir uns befinden, kann man nicht raus, darf keine Leute treffen, du kannst dein Geld nicht ausgeben, du kannst nirgendwo mit deinen Sachen angeben, was bringt dir da deine Rolex jetzt?" Ich wollte es unterdrücken, aber ich musste es richtig stellen und sagte beschämt und kleinlaut: "Das ist eine Patek, keine Rolex." Sophie schaute mir in die Augen, schüttelte ganz wenig den Kopf und ging nach Hause.

Ich dachte viel darüber nach und sie hatte recht. Das Geld und das ganze Flexen sind nicht das Wichtigste und ja ich war einsam und musste das mit teuren Dingen füllen, aber ich bleibe dabei, ich sterbe lieber alleine im Benz als mit Fremden in der U-Bahn.

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Do it for the Gram - Corona Short Stories
Do it for the Gram

Der Freistaat Bayern hat eine Ausgangssperre ausgerufen. Die Bürger dürfen ihre Häuser nur aus triftigen Gründen verlassen, sonst drohen hohe Bußgelder. Das öffentliche Leben steht still.


München.

Saskia liegt in ihrem Bett und schaut auf ihre Instgram-Seite. "3.694 Follower. Gestern waren es noch 3.700.", dachte sie und überlegt weiter: "Mein Quarantäne Tagebuch kommt nicht so gut an. Nur 400 Likes. Ich muss wieder Fotos posten." Saskia verlässt Instagram und öffnet die Kontakte. Sie ruft Nils an. "Hey Nils, hast du heute Zeit?" Nils ist ein Freund von ihr. Er hat 19.000 Follower und hat mit Landschaftsbildern angefangen. Solche Seiten gibt es zwar wie Sand am Meer, aber seine Bilder waren besonders. Nach und nach hat er dann Influencer fotografiert und postet auch immer öfter Bilder von sich in teuren Outfits. "Ne sorry, ich geh heute ins Kino, äh ich meine ins Theater, ach ne, mein Fehler, ich fahr in den Urlaub. Italien soll sehr schön sein." Saskia mag seinen Humor nicht. "Also hast du Zeit?" "Ja natürlich, aber wir dürfen uns nicht treffen. Das weißt du oder?" "Ich weiß, ich weiß, aber wir müssen neue Fotos machen. Ich verliere jeden Tag Follower und ich hab noch ein paar Sachen, die ich bald wieder zurückschicken muss." Nils zögert mit seiner Antwort. "Ja ich hab auch noch ein paar Schuhe, mit denen ich nur ein Foto machen wollte." "Ich mein, du bist doch Fotograf, also arbeitest du doch." Nils lacht und stellt klar, dass er ja nur nebenberuflich Fotograf sei, dennoch läßt er sich überreden, nachdem Saskia meinte, wie geil es doch wäre, ein Bild mit dem leeren Marienplatz zu posten.

Nils findet die Vorstellung aufregend mal gegen die Regeln zu verstoßen und Saskia wusste, dass er Ja sagen würde. Die beiden kennen sich über Instagram. Sie hatte ihn mal gefragt, ob er sie mal fotografieren kann und seitdem machen sie fast jede Woche Fotos zusammen. Er hat ihr viel über Kameras beigebracht, weshalb sie auch manchmal Fotos von ihm macht.

30 Minuten später. Marienplatz.

Beide haben einen Rucksack voll mit Klamotten. "Wo sollen wir uns nachher eigentlich umziehen? Ich glaube die öffentlichen Toiletten sind zu.", sagte Nils mit der Befürchtung, dass er kein Bild mit seiner 600€ Hose machen kann, die in seinem Rucksack ist. "Hier ist niemand. Du kannst doch ganz schnell alles wechseln." Saskia hat recht. Die Innenstadt von München ist wie leer gefegt. Saskia zieht ihre Jacke aus, um das erste Bild machen zu können, doch Nils fragt sie: "Das ist dein Outfit?" "Ja, warum?" "Ne, alles gut. Es wundert mich nur nicht, dass du Follower verlierst." Saskia schaut ihn empört und verletzt an. Nils ist seit einiger Zeit etwas gemeiner als sonst. Saskia glaubt, dass das mit ihrem neuen Freund zu tun hat. Nils mochte Saskia schon immer sehr gerne und das weiß sie. Nils hat das Gefühl, dass ihr Freund ihm seine Geschichte geklaut hat, denn Saskia und ihr Freund haben sich auch über Instagram zu einem Shooting verabredet. Nur hat es sich bei ihm genauso entwickelt, wie Nils es sich damals bei sich selbst wünscht hat.

"Hallo Leute, ich dachte geh' mal LIVE und zeige euch dieses verbotene Shooting.", sagt Nils, nachdem er einen Instagram-Livestream gestartet hat. Saskia läuft zu ihm. "Bist du bescheuert? Wir verstoßen hier gegen die Regeln und du willst es allen Leuten zeigen?" "Chill mal, wir haben gerade 54 Zuschauer. Da wird schon kein Cop dabei sein." Saskia ging wieder auf Position und Nils machte Fotos von ihr. "Oh Leute, hier ist echt keine Menschenseele." Nils geht eine Treppe hinauf. Von da aus hat er eine gute Sicht auf den leeren Marienplatz.

Beide gingen weiter durch die Stadt. "Musst du wirklich streamen?, fragt Saskia erneut. "Ja, ist doch geiler Content." Sie machen zwischendurch Fotos und gehen noch zu anderen Fotospots. Nils hat den Stream nur noch nebenbei laufen und achtet gar nicht mehr auf den Chat. In einer kurzen Pause schaut Saskia auf ihr Handy. "Ich hab gerade 2.000 neue Follower bekommen."Nils schaut auch auf sein Handy. 34 Tausend Leute schauen gerade beim Livestream zu. Er liest sich den Chat durch. "Hab gerade die Polizei angerufen. Ihr seid am Arsch haha." "Wie dumm seid ihr denn bitte?" "Das wird teuer." Nils zeigt Saskia sein Handy und sagt: "Wir müssen abhauen."

Beide packen die Sachen zusammen und laufen in die Richtung der nächsten U-Bahn-Station. Doch von weitem sehen sie schon die Polizei. "Schnell abhauen.", sagt Nils und lässt seinen Rucksack voll mit Designerklamotten am Boden liegen. Saskia läuft ihm hinterher. "Lass deine Sachen los.", ermahnt er Saskia, doch sie will die Sachen noch zurückschicken. "Das ist viel zu teuer." "Wenn wir erwischt werden, wird es noch viel teurer, also komm." Saskia weiß, dass er recht hat und lässt auch ihren Rucksack zurück.

Der Livestream wird zur Verfolgungsjagd. Immer mehr Zuschauer kommen in den Stream. Saskia und Nils rennen in Richtung einer Bahnstation. Nach ein paar 100 Metern halten sie hinter einer Ecke an. Nils ist der Meinung, dass es nur zwei Polizisten waren. "Lass uns schnell zur Bahn laufen." Saskia ist ängstlich. Nils schaut um die Ecke. Er sieht niemanden mehr. "Da ist keiner." Saskia schaut auch nach. "Lass uns die Rucksäcke holen und nach Hause fahren." Saskia folgt ihm vorsichtig.

Die beiden gehen die Treppe zur U-Bahn hinunter und Nils sagt zu seinem Stream: "Leute, ich weiß nicht wo die Polizisten sind oder warum sie uns nicht gefolgt sind, aber ich bin mega froh, dass es gut ausging -" Da hört er plötzlich eine Männerstimme hinter sich: "Aber wir sind dir doch gefolgt, auf Instagram und jetzt gib das Handy her und die Personalausweise bitte." Saskia ist kurz davor zu weinen und Nils versteht es noch nicht ganz. Der Polizist nimmt das Handy und sagt zum Stream: "Manche machen einfach alles für Fame." und beendet mit diesen Worten den Stream.

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Mittwoch, 25. März 2020
Was fragt man einen Fremden - Corona Short Stories
Was fragt man einen Fremden


Die Bundesregierung hat ein Kontaktverbot ausgerufen und sich gegen eine Ausgangssperre entschieden. Ansammlungen von mehr als 2 Personen sind verboten. Die Polizei soll die Einhaltung des Verbots überwachen. Fast alle Geschäfte müssen schließen, doch Rausgehen bleibt erlaubt. Die Zahl der Infizierten und der Toten steigen täglich.


Köln.

"Kann jetzt mal ein Auto kommen.", dachte ich, nachdem ich schon etwa 30 Minuten die Landstraße entlang ging. Auf den Straßen ist in Zeiten von Corona wenig los. Alle bleiben zu Hause. "Da! Ein Auto." Ich hielt den Daumen raus. Doch das Auto fuhr vorbei. Scheiß Tiguan.

Ich ging weitere 10 Minuten. Ein LKW kam, ich hörte es von Weitem. Ich streckte halbherzig meinen Daumen raus, ohne große Hoffnung. Der LKW fuhr an mir vorbei und blieb nach etwa 50 Metern stehen. Ich konnte es nicht fassen und lief hin.

Die Tür wurde mir aufgemacht. "Hallo, junges Fräulein. Wo musst du denn hin?" Es war eine Männerstimme. Sie klang schön, erinnerte mich an Leonardo DiCaprio. Ich konnte ihn nicht sehen. Ich stieg die Leiter eine Stufe hinauf und sagte: "Hannover." Die Stimme passte nicht zum Körper. Das denkt man sich ja manchmal, aber hier hat es absolut gepasst. Der Kerl war etwa 150 Kilo schwer und triefte vor Fett. Ich schätzte ihn so mitte 40. "Das lässt sich einrichten. Ich muss nach Hamburg." Ich stieg ein. Ich hatte auch keine andere Wahl.

"Ich bin Lizz." "Du bist ja 'ne kleine Strahlemaus.", sagte er und musterte mich. Widerlich. Ich grinste ihn nur an. Mir war klar, dass ich jetzt 4 Stunden mit ihm im engsten Raum zusammensitzen muss und wir können leider nicht die ganze Zeit schweigen. "Du heißt Werner?" Werner stand auf einem Schild, das er an der Windschutzscheibe stehen hat. "Nein haha, ich heiß Timo, die Jungs nennen mich aber alle Werner. Wegen dem Fußballspieler von RB. Ich bin Leipziger." Ich hörte gar keinen Akzent. "Aber nur gebürtig, aufgewachsen bin ich im Norden." Ah deshalb. Das wär's ja noch. 4 Stunden im Auto mit jemanden eingesperrt zu sein, der einen sächsischen Akzent hat. Ich schaute mich in seinem Fahrerhaus um. Ein paar Sachen von RB Leipzig, ein Harley Davidson Trinkbecher und Poster und direkt unterm Radio, ein Bild von einer nackten Frau. Komplett nackt. Ich kannte sie. Sie war Pornodarstellerin. Ich weiß ihren Namen nicht mehr, aber mein Exfreund hat sich gerne Filme von ihr angesehen. Gemachte Titten. Gemachte Lippen. Ich starrte es an. "Ist nicht meine Frau.", sagte Werner und lachte. Er hatte bemerkt, dass ich es anstarrte. Wie peinlich. "Wie kommt's denn, dass so ein junges Ding wie du an der Straße steht?" "Ich muss nach Hause und hab kein Geld mehr für ein Bahnticket. Mein Handy hat kein Akku und mein Freund-", ich machte eine Pause. "Mein Exfreund hat mich rausgeschmissen." "Ist ja ganz schön riskant von mir dich mitzunehmen. Hier in NRW, die Hochburg Coronas. Jemand fremdes aufzugabeln, ist nicht ohne Risiko." "Ich bin ihnen auch wirklich dankbar dafür." "Sag doch du, Süße." Ich schaute ihn an, während er redet. Ich habe einfach nicht verstanden, wie so eine schöne und sexy Stimme aus so einem Körper kommen kann. Seine speckigen Backen, flatterten von oben nach unten. Sein Bauch drückte schon gegen das Lenkrad. "Und was machst du so beruflich?" "Ich suche noch.", sagte ich, ohne Absicht das Gespräch noch weiterzuführen. "Wonach? Nach Arbeit?" Er lachte wieder. Auch wenn seine Stimme noch so schön war, war seine Lache umso schrecklicher. Ich bekam vor Ekel Gänsehaut. "Nach dem was mich erfüllt." "Das ist das Problem mit euch jungen Leuten, ihr wollt nur bedeutungsvolle Dinge machen." Ich reagierte auf seine Aussage nicht. Diese Diskussion hatte ich schon oft genug mit meinen Eltern gehabt. "Was transportieren Sie?", fragte ich aus Höflichkeit, interessiert hat es mich nicht. "Ich weiß es nicht. Ich bin wie Jason Statham, weißt du, in The Transporter. Ich stelle keine Fragen. Solange gezahlt wird, ist es mir egal." Ich schaute ihn an. Ich war erstarrt. Das konnte er unmöglich ernst meinen. Ich glaube, er spürte meine Verunsicherung und lachte. "Mein Gott, Mädchen. Das war doch nur ein Spaß."

Wir fuhren eine Weile ohne zu reden. Das Radio lief. Der Sender hatte die letzten Tage immer wieder Quizspiele gemacht und die Leute zu Hause angerufen. "Es sind ja alle zu Hause.", sagte Werner. "Nur ich, ich bin wieder auf der einsamen Straße mit meiner Lady." Ich glaube, er meinte mit Lady seinen LKW und nicht mich, aber sicher bin ich mir nicht. Ich habe auch nicht nachgefragt. "Wie ein Cowboy im Wilden Westen." Wie er es sagte, klang es echt schön. Er betonte die Worte auf seine ganz eigene Art. Sein Sprachduktus gefiel mir. Ich machte manchmal die Augen zu, wenn er was sagte, um dieses schlimme Bild seines Körpers auszublenden. "Kein Fußball wird mehr gespielt. Kein Casino, keine Spielo hat auf. Keine Gaststätte. Nicht mal die Mädels dürfen sich noch verkaufen." Mädels? Meinte er... Nein. Obwohl? Doch. Ich kann mir gut vorstellen, dass er so ein Typ ist. Ein Junggeselle, der nicht viel in seinem Leben hat. Eine Einzimmerwohnung, reicht ja aus, ein kleines Auto, einen Renault oder Opel oder so, ich hab keine Ahnung von Autos, ein Sky Abo, wo er dann die Spiele mit diesem Werner auf seinem etwas zu großen Fernseher sehen kann, die kosten ja heutzutage nichts mehr, den Traum von einer eigenen Harley versucht er sich irgendwie zu erfüllen, obwohl es finanziell hinten und vorne nicht passt und dann geht er noch 1 oder 2 Mal in der Woche zu einem Mädchen, ich weiß ja nicht wie teuer sowas ist, und lässt sich einen wedeln. Gegen Geld. Ist klar. Niemand will den Typen freiwillig auf sich liegen haben.

Ich sagte nichts mehr und zeigte auch kein Interesse an einer Konversation. Was fragt man einen Fremden, mit dem man nichts zu tun haben möchte? Ab und zu machten wir bei dem Quiz mit und hatten auch irgendwie Spaß dabei. Er kennt sich echt gut Fußball und Filmen aus, aber hat keine Ahnung von Musik, außer Johnny Cash und Elvis. "Ein Fußballexperte meinte, dass es gerecht wäre, wenn man die Saison jetzt beendet und die Hinrundentabelle werten lässt. Rate mal wer dann Meister wäre?" "Ich habe echt keine Ahnung von Fußball." "Rate einfach." "Bayern?" "RB natürlich. Ich finde das können die mal machen."
Wir erreichten Hannover. Er fragte, wo er mich absetzen kann. Ich sagte ihm, am Besten in der Nähe einer Bahnstation. Wir fuhren von der Autobahn ab. Er lenkte auf einen leeren Real-Parkplatz zu und kam zum stehen. "Hier ist keine Bahnstation.",dachte ich. Er machte den Motor aus und fuhr seinen Sitz noch ein Stück nach hinten. "Er ging also doch noch weiter nach hinten. Warum hat sein Bauch, dann die ganze Zeit gegen das Lenkrad gedrückt?", fragte ich mich in diesem Moment. "Ich finde, ich war sehr nett dir gegenüber.", sagte Werner und holte mich aus meinen Gedanken. "Ja, vielen Dank. Das ist nicht selbstverständlich." Ich drehte mich zur Tür, um sie aufzumachen. "Die ist zu." Ich probierte es nicht mal, sondern schaute die Türklinke nur an. Ich hörte wie er seinen Gürtel aufmacht und seine Hose runterzieht. Ich drehte mich um. Tatsache.

Sein Penis sah klein aus. Ich habe aber bis jetzt auch erst 3 gesehen. Aber im Vergleich zu seinem fetten Körper sieht alles klein aus. Er schaute das Bild dieser Pornotante an, während er mit mir sprach. "Da du kein Geld hast, musst du mich anders entlohnen. Ich bin ja nicht die Wohlfahrt." Nach 4 Stunden Autofahrt stank es in diesem Fahrerhaus. Ich schaute ihn an. Er sah immer noch die Pornotussi an. Der Schweiß auf seiner Stirn ekelte mich an. "Wie schwitzig ist dann wohl sein Ding.", dachte ich. Ich schaute in sein Gesicht, dann auf seinen Penis, wieder in sein Gesicht und dann durch die Frontscheibe. Es gab nichts hier drinne, womit ich mich wehren könnte und genau das wusste er. Ich spürte seine Hand an meinem Bein. Sie ging von meinem Knie immer höher. Seine ekelige speckige Hand. Ich schloss die Augen.



von Pierre-Philippe Scharf

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Dienstag, 24. März 2020
Grautöne - Corona Short Stories
Grautöne

Die Bundesregierung rät davon ab, sich in größeren Menschengruppen aufzuhalten. Verbote gibt es noch nicht. Die Zahl der Infizierten steigt täglich. Die, die zu Hause bleiben können, sollen zu Hause bleiben.


Hamburg

Renate, eine 74 Jahre alte Frau, sitzt auf ihrer Couch in ihrer 2 Zimmer Wohnung mit dem Telefon in der Hand. Sie schaut in ihr Kontaktbuch und geht mit ihrem Finger die Nummern entlag. "Margarete Arbeit." "Margarete Handy." Ihr Finger zittert und bleibt bei "Margarete zu Hause" stehen. Sie fängt an die Nummer einzutippen als plötzlich das Telefon klingelt. Vor Schreck lässt sie es fallen.

"Ja, hallo?"

"Mama, hast du die Nachrichten verfolgt?"

"Ja Margarete, natürlich. Schrecklich ist das."

"Ich und die Kinder können übermorgen nicht vorbei kommen. Hier in Köln ist es noch schlimmer als bei dir oben. In Tinos Klasse ist ein Elternteil in Verdacht. Ich will nicht, dass du dich ansteckst. Bleib bitte daheim, Mama."

"Ja, ist gut. Ich pass schon auf mich auf und sag den Kindern, Oma hat sie lieb."

"Mach ich."


3 Tage später. Das Telefon und das Internet geht im gesamten Wohnblock nicht. Es klopft an der Tür.
Renate macht die Tür auf, lässt aber die Türkette dran.

Malik, der 19 Jahre alte Nachbarsjunge, steht vor ihrer Tür.

"Hallo. Ich wollte fragen, ob ich etwas für sie einkaufen kann."

"Nein, ich möchte mit euch nichts zu tun haben."

"Mit euch?"

"Mit euch Schwarzen."

"Ich bin deutsch. Ich habe einen deutschen Pass und bin hier aufgewachsen."

"Trotzdem bist du schwarz."

"Denken sie nicht in Schwarz und Weiß, denken sie in Grautönen."

"War's das jetzt?"

"Geht das Telefon bei ihnen auch nicht?"

"Nein."

Malik kramt in seiner Hosentasche und hält ihr sein Smartphone hin.

"Hier, nehmen Sie das und rufen sie ihre Familie an. Die machen sich bestimmt schon Sorgen um Sie."

Renate zögert.

"Bitte nehmen Sie es. Es ist entsperrt. Sie müssen nur die Nummer eingeben und das grüne Telefon drücken. Danach legen sie es einfach vor ihre Tür."

"Ich weiß, wie sowas funktioniert."

Renate kannte Smartphones nur aus dem Fernsehen. Sie nimmt das Handy und setzt sich auf ihre Couch. Sie sucht wieder im Kontaktbuch und bleibt bei "Margarete Handy" stehen. Sie tippt die Nummer ein und drückt auf das grüne Telefon. Sie wartet, aber keiner geht ran. "Hat der Bengel mich reingelegt, kann ich damit überhaupt telefonieren?", dachte Renate. Sie steht auf, um das Handy wieder vor die Tür zu legen, als es plötzlich klingelt. Sie tippte auf das grüne Zeichen.

"Hallo?"

"Margarete?"

"Mama! Nimm das Handy mal von deinem Ohr weg."

"Was? Aber-"

"Mach mal."

Renate schaut auf das Display.

"Hallo, ich sehe dich und Tino ist auch da."

"Hallo, Oma."

Renate kommen die Tränen.

"Woher hast du das Smartphone?"

"Das hat mir ein netter junger Mann gegeben."



von Pierre-Philippe Scharf

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